Raúl Krauthausen ist Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit.

Was ist eigentlich ein gutes Leben? Ein Gespräch mit Raúl Krauthausen

27
März 2025

Aktuelles

Raúl Krauthausen ist Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit. Er setzt sich mit seinen Ideen und Projekten für eine Welt ein, in der jeder Mensch – unabhängig von Behinderung – gleichberechtigt leben kann. Er initiierte u.a. die Wheelmap, eine weitweite digitale Landkarte barrierefreier Plätze und gründete die Sozialhelden e.V., ein Aktivist:innen-Netzwerk, das für gesellschaftliche Probleme sensibilisieren und zum Umdenken und Handeln anstoßen will.

 

Wenn Sie an Ihr Leben denken – was ist der erste Gedanke, der Ihnen in den Sinn kommt?

Für mich ist es ein Abenteuer zwischen Herausforderungen und Möglichkeiten, dem ich immer gelassener begegne. Ich musste stets viele Hürden umschiffen, mich haut nichts so schnell um. Diese Resilienz hilft mir, nicht zu verharren oder aufzugeben. Ich lebe einfach gerne und engagiere mich seit 25 Jahren für Gerechtigkeit und Barrierefreiheit. Mittlerweile arbeiten 30 Menschen in meiner Organisation – mit und ohne Behinderung. Darauf bin ich stolz!

Für was in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?

Für die Menschen, die mich begleiten. Für meinen Freundeskreis, meine Familie und all jene, die sich für eine inklusivere Welt einsetzen.

Was löst bei Ihnen immer wieder aufs Neue Begeisterung aus?

Wenn Menschen sich zusammentun und gemeinsam Dinge verändern. Und wenn sie Machtverhältnisse in Frage stellen – sei es durch Aktivismus, Kunst oder einfach durch eine neue Perspektive auf die Welt. Dafür müssen wir auch auf die Straße. Ich war bei vielen der Demonstrationen in den vergangenen Monaten dabei. Allein, dass man sich danach nicht mehr so allein fühlt mit seinen Sorgen, ist schon Zweck genug. Das reicht natürlich allein nicht, aber es kann der Anfang sein für mehr. Ich zumindest möchte mich nicht entmutigen lassen von der aktuellen Zeit.

Wenn Sie für fünfzehn Sekunden die Aufmerksamkeit der ganzen Welt hätten, was würden Sie dann tun oder sagen?

Ich würde sagen: Hört zu! Barrieren – egal ob in den Köpfen oder in der Umwelt – gehen uns alle an. Eine inklusive Gesellschaft ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Dabei bin ich überzeugt, dass das Einzige, was die Einstellung der Menschen ändert, Begegnungen sind – sei es in der Schule, im Büro oder auf dem Spielplatz.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas zum ersten Mal getan haben?

Ständig entdecke ich neue Dinge – in Gesprächen mit anderen oder beim Entwickeln neuer Ideen für soziale Projekte. Aktuell beschäftige ich mich viel mit dem Thema Künstliche Intelligenz. Da passiert jede Woche Großartiges, womit man das Leben behinderter Menschen verbessern könnte: Zum Beispiel bei der automatischen Erstellung von Leichter Sprache. Da lese ich mich ein, experimentiere herum.

Was war der beste Rat, den Sie jemals bekommen haben?

„Wenn es keine Lösung gibt, dann werde selbst zur Lösung.“ – Aktivismus ist nicht immer bequem, aber er verändert die Welt. Ich glaube vor allem an die Kraft des Konstruktiven Aktivismus: Statt nur gegen etwas zu sein, sollten wir, auch über Grenzen hinweg, nach Lösungen und Wege suchen, die wir einschlagen können. Dabei lässt sich viel voneinander lernen. Zum Beispiel von der Frauenbewegung oder der Arbeit von People of Color.

Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nicht scheitern würden?

Ich würde eine Welt gestalten, in der Barrierefreiheit so selbstverständlich ist wie Luft zum Atmen.

Was ist das beste Geschenk, was man Ihnen machen kann?

Zeit! Das finde ich schön, wenn man sich Zeit füreinander nimmt – für Gespräche oder gemeinsame Unternehmungen.

Welchen Traum würden Sie sich gerne erfüllen?

Eine Weltreise für mindestens 12 Monate. Wohin? Da würde ich mich treiben lassen. Äthiopien wäre aber schon auf meiner Wunschliste.

Was wünschen Sie sich für die jüngere Generation?

Mut, Dinge zu hinterfragen. Lust, Dinge zu verändern. Und den Glauben daran, dass jede und jeder etwas bewirken kann

Was bedeutet es für Sie, ein gutes Leben zu führen?

Ein gutes Leben bedeutet, die Freiheit zu haben, das eigene Potenzial zu entfalten – unabhängig von äußeren Umständen. Es bedeutet, gehört zu werden und eine Stimme zu haben.

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