
Das Öl des 21. Jahrhunderts?
"Nagaya - Der Talk" am 28. April 2021 um 18.30 Uhr
Schon heute haben 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum wird sich die Wasserknappheit unter anderem in Subsahara-Afrika in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärfen.

Soziale Spannungen und Konflikte sind vorprogrammiert, selbst militärische Konflikte um den Rohstoff Wasser nicht auszuschließen. Können wir dagegen denn gar nichts tun? Doch, aber es eilt.
Gemeinsam mit Mekonnen Mesghena von der Heinrich-Böll-Stiftung und Professor Markus Disse von der TU München widmet sich Vorstandssprecher Dr. Sebastian Brandis in unserer Online-Diskussionsrunde „Nagaya – der Talk“ dem Spannungsfeld Wasser, beleuchtet das Konfliktpotenzial rund um das kostbare Nass – und diskutiert Lösungsansätze.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gleich kostenlos mit einer kurzen E-Mail an anmeldung@menschenfuermenschen.org an und Sie bekommen von uns den ZOOM-Link zur Online-Veranstaltung!
Unsere Talk-Gäste
Dr. Sebastian Brandis
Vorstandssprecher der Stiftung Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe

Dr. Sebastian Brandis ist seit Dezember 2016 Vorstand der Stiftung Menschen für Menschen und seit April 2019 Sprecher des Vorstands. Hier setzt er sich nachhaltig für das Thema „Menschlichkeit“ und Entwicklungszusammenarbeit in Äthiopien ein. In aktuell zehn Projektregionen setzen rund 640 fest angestellte und fast ausschließlich äthiopische Mitarbeiter der Stiftung gemeinsam mit der Bevölkerung integrierte, ländliche Entwicklungsprojekte um. Dabei verzahnt die NGO Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen und befähigt die Menschen, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft zu verbessern.
Mekonnen Mesghena
Leiter des Referats “Migration und Diversity” in der Heinrich-Böll-Stiftung

Mekonnen Mesghena hat Journalistik und Geschichte an der Universität Dortmund studiert. Er hat beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln volontiert sowie mehrere Praktika u.a. bei den Ruhr Nachrichten und dem Schwäbischem Tagblatt in Tübingen absolviert. Er engagierte sich mehrere Jahre als Sprecher des “Dritte Welt Journalisten Netzes” und hat 1993 “Media Watch Germany” mit gegründet. Nach dem Ende des 30jährigen Unabhängigkeitskrieges in Eritrea beteiligte sich Mekonnen Mesghena an der Umstrukturierung des eritreischen Rundfunks und bot Trainings für Journalistinnen und Journalisten an. Er arbeitete mehrere Jahre als freier Journalist und schreibt heute für diverse inländische und internationale Magazine, Rundfunkanstalten und Websites. Herr Mesghena ist Mitglied diverser Steuerungsgremien europäischer Organisationen – u.a. von Migration Policy Group (Brüssel) und Equal Opportunity and Diversity Panel des British Council (Deutschland). (Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung)
Prof. Dr. Markus Disse
Lehrstuhl Hydrologie und Flussgebietsmanagement, Technische Universität München

Die Forschungsgebiete von Prof. Disse umfassen die drei Bereiche prozessbasierte hydrologische Modellierung in Flusseinzugsgebieten, das Hochwasserrisikomanagement und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen. Prof. Disse studierte Bauingenieurwesen an den Universitäten Hannover und Karlsruhe. In Karlsruhe war er sieben Jahre als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Hydrologie und Wasserwirtschaft bei Prof. Plate tätig, wo er 1995 seine Promotion über Grundwasserneubildung und Gebietsverdunstung ablegte. Anschließend arbeitete er bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz, wo er zu Gewässermorphologie und Hochwassermodellierung forschte. Im Jahre 2003 übernahm Prof. Disse die Professur für Wasserwirtschaft und Ressourcenschutz an der Universität der Bundeswehr München. 2011 forschte er im Rahmen eines Freisemesters an der University of Arizona (Tucson) im Department of Hydrology and Water Resources. Im Juli 2013 nahm er einen Ruf an die TUM an. (Quelle: TU München)
Wasser: Wertvoller Rohstoff mit Konfliktpotenzial
Haben sich im vergangenen Jahrhundert zahlreiche Kriege und Konflikte am Zugang zu Erdöl entzündet, rückt im neuen Jahrtausend vermehrt ein noch weitaus elementarerer Rohstoff ins Zentrum düsterer Zukunftsprognosen: Wasser.
Bereits heute haben nach Angaben der Vereinten Nationen rund 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, jeder zweite Mensch leidet Schätzungen zufolge während mindestens eines Monats im Jahr unter schwerer Wasserknappheit.
Und die Situation wird sich in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärfen. Der weltweite Wasserverbrauch ist heute sechs Mal so hoch wie vor 100 Jahren und steigt Prognosen zufolge stetig weiter um ein Prozent pro Jahr. Bis 2050 wird nach UN-Prognosen die Hälfte der Weltbevölkerung in Staaten leben, die unter Wasserstress stehen, die also mehr als ein Viertel ihrer erneuerbaren Wasserressourcen nutzen. Viele diese Staaten liegen in Subsahara-Afrika.
Soziale Konflikte und Migrationsbewegungen
Nicht nur der höhere Wasserbedarf aufgrund steigender Bevölkerungszahlen, sondern auch die Folgen des Klimawandels schlagen dabei zu Buche. In den Projektgebieten von Menschen für Menschen und anderen Teilen Äthiopiens sehen wir, wie sich Dürren und Überschwemmungen in immer höherer Frequenz abwechseln und wie sich die Wasserknappheit auf alle Lebensbereiche – von Ernährung über Gesundheit bis hin zu Bildung und gesellschaftlicher Entwicklung – auswirkt.
Man braucht wenig Fantasie, um Folgen wie soziale Konflikte und Migrationsbewegungen abzusehen. Doch nicht nur innergesellschaftliche Spannungen sind vorprogrammiert. Auch in zwischenstaatlichen Konflikten wird der Ton im Streit um den Zugang zu Wasser immer rauer. Im Falle Äthiopiens und seinem Jahrhundert-Stromprojekt, dem Staudamm GERD, standen bereits nicht nur einmal militärische Mittel im Raum.
Wie sieht nachhaltiges Wassermanagement aus?
Wie aber kann Gerechtigkeit beim Zugang zu Wasser aussehen? Wie können wir die Wassernutzung an den Klimawandel passen? Wie sieht nachhaltiges Wassermanagement aus? Und wie realistisch ist es überhaupt das Ziel Nummer 6 der Sustainable Development Goals (SDG), bis 2030 Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen für alle Menschen zu schaffen, zu erreichen?
Über diese Fragen wollen wir in der neuen Ausgabe unseres Nagaya-Talks sprechen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!