Auf eigenen Beinen stehen
Die Konkurrenz ist groß
Doch welche Zukunft ist realistisch? Mit 18 sollen sie das Heim verlassen und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, damit neue Waisen aufgenommen werden können. Die Wirtschaft Äthiopiens verfügt nur über wenige Unternehmen. Es herrscht große Konkurrenz um die Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die starken jungen Jahrgänge. „Abdii Borii“ heißt zu Deutsch „Hoffnung auf morgen“.
Lässt sich dieses Versprechen in einem der ärmsten Länder der Welt erfüllen? Jomo, ein Vorort von Addis Abeba, zwölf Autostunden vom Heim entfernt: Wie überall rund um die Hauptstadt sind hier drei- und vier stöckige Apartmenthäuser aus dem Boden geschossen. Über die Schotterstraßen zwischen den Neubauten trotten Kühe auf der Suche nach Küchenabfällen. Im ersten Stock eines der neuen Häuser hat ein Restaurant eröffnet, das „Isaak“. Am Herd wirbelt Ayantu Jemal. Vor über einem Jahr hat die 18-Jährige das Abdii Borii-Heim verlassen.
Die Äthiopienhilfe hatte ihr eine Ausbildungsmöglichkeit in der Hauptstadt verschafft: Ein Jahr lang machte sie am „Catholic Archdiocese Women’s Promotion Centre“ eine Ausbildung zur Köchin. Nach erfolgreichem Abschluss trat sie vor zwei Monaten ihre erste Stelle im „Isaak“ an. Jeden Tag kocht sie für rund 30 Gäste. Besonders bei ihrem Doro Wot, scharf gekochtem Hühnchen, schnalzen die Esser mit der Zunge. „Ich mag die Arbeit sehr“, sagt die junge Frau. „Ich bekomme Trinkgeld und viel Lob von den Gästen: Deshalb macht mir die Arbeit Spaß.“
Wechselbad der Gefühle