Im Kampf gegen das Erblinden
Abgeschlossenes Projektgebiet Wore Illu (2014 - 2023)
Zuerst setzen sich die Bakterien (Chlamydia trachomatis) an der Innenseite des oberen Lides fest. Kleine Lymphknötchen bilden sich, sie platzen mit der Zeit. Das Augenlid vernarbt, zieht sich dadurch zusammen und dreht sich nach innen ein. Bei jedem Blinzeln kratzen die Wimpern auf der Hornhaut. Es brennt und juckt. Kann die Infektion zu Beginn noch mit einer antibiotischen Salbe behandelt werden, lässt sich das Auge in diesem Zustand, als Trichiasis bezeichnet, nur durch eine Operation retten. Ansonsten trübt sich die Hornhaut – der Betroffene erblindet langsam und schmerzhaft.
Noch immer ist Äthiopien das am stärksten von dieser Erkrankung betroffene Land. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben knapp zwei Drittel der äthiopischen Gesamtbevölkerung, also 75 Millionen Menschen, in Gebieten, in denen die höchst ansteckende Augeninfektion verbreitet ist. Etwa 700 000 Personen im Land brauchen dringend eine Operation. So wie Tesehay.
Gefährliche Unwissenheit
In den abgelegenen Projektgebieten bietet Menschen für Menschen daher nicht nur die Operation an, für die sie pro Person etwa 10 Euro investiert. Mitarbeiter der Stiftung informieren an Schulen, in Dörfern und Gesundheitszentren über die Ursachen und Symptome. „Der Grund für eine Ansteckung ist oft mangelnde Hygiene“, erklärt Dabash. Geschlossene Latrinen, die Trennung des Lebensraumes von Vieh und Mensch und das regelmäßige Waschen von Gesicht mit sauberem Wasser können der Krankheit vorbeugen.
Monate voller Schmerzen
Zwei lange Jahre litt er. Als sein Augenlid begann, sich nach Innen zu drehen, ging er wie viele andere zu einem traditionellen Heiler, der ihm die Wimpern ausrupfte. Die Methode bringt zunächst Erleichterung, doch die nachwachsenden Wimpern kratzen umso mehr. „Das vergangene Wochenende war die Hölle!“, sagt Kassaw. Immer und immer wieder wusch er sich das Gesicht. Es war das Einzige, was das Brennen und Jucken für ein Paar Sekunden vertrieb.
Zusammen mit seiner Frau und zwei seiner fünf Kinder lebt der Bauer in Tumeli, 30 Minuten zu Fuß von Wore Illu entfernt. Als er auf dem Markt Ziegen verkaufte, hörte er, dass die Äthiopienhilfe eine Operation für Erkrankte wie ihn anbieten.
Zurück in die Schule
Mittlerweile kann Misaw auch wieder arbeiten. Sie flechtet kunstvolle Tabletts und Körbe, verkauft sie auf dem Markt oder direkt in ihrem Wohnzimmer – pro Produkt verdient sie umgerechnet etwa 3 Euro. Nicht viel, aber genug, um wieder allein für sich und ihre Töchter zu sorgen. Seitdem es ihrer Mutter besser geht, können die beiden wieder zur Schule gehen.