Schulungen für bessere Behandlungen
Abgeschlossenes Projektgebiet Borena (2011 - 2023)
„Wie geht es dir?“, fragt Rufael Mekonen. Der Entbindungspfleger im weißen Kittel mustert die junge Frau mit wachem Blick. „Ich bin oft müde und manchmal ist mir schlecht“, sagt Wubayehu. „Das ist normal. Aber du darfst dich nicht mehr anstrengen“, sagt Rufael. „Die schweren Arbeiten müssen jetzt andere erledigen, denk immer daran.“ Wubayehu nickt. „Ich weiß“, sagt sie. „Meine Familie nimmt Rücksicht. Ich muss kein Wasser mehr holen und meine Schwiegermutter kocht für uns alle.“
Viele Äthiopier essen fast ausschließlich das traditionelle Fladenbrot „Injerra“ sowie einen würzigen Bohnenbrei. „Schwangere sollten verschiedene Getreidearten, Obst und Gemüse essen“, sagt Rufael. Wubayehu nickt abermals. „Wir haben nicht viel Geld, aber meine Familie kauft auf dem Markt ein, so gut es eben geht.“
Das Angebot stetig verbessern
Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere: Was in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist, findet in Äthiopien längst nicht flächendeckend statt. Das liegt zum einen daran, dass viele Menschen lange Fußmärsche bis zum nächsten staatlichen Gesundheitszentrum auf sich nehmen müssen. Dagegen sind die sieben Kilometer, die Wubayehu heute bis nach Dega Dibi gelaufen ist, ein Spaziergang. Zudem sind Hausgeburten mit Hilfe von Laienhebammen vielerorts noch immer gängige Praxis. Wenn alles nach Plan verläuft, kann das funktionieren. Aber bei Komplikationen sind Mutter und Kind in Lebensgefahr.
Doch die Situation hat sich verbessert: Lag die Säuglingssterblichkeit im Jahr 2000 in Äthiopien noch bei etwa zehn Prozent, hat sie sich bis heute auf etwa fünf Prozent halbiert.
Deshalb bietet Menschen für Menschen Fortbildungen für Gesundheitshelfer an. In Borena etwa haben seit 2011 mehr als 300 Mitarbeiter aus den umliegenden staatlichen Gesundheitseinrichtungen Kurse in medizinischer Grundversorgung, Gesundheitsvorsorge, Krankenpflege sowie Familienplanung besucht.
„Unser Ziel ist es, die Qualität der Versorgung zu verbessern, denn dann nutzen die Menschen sie auch“, sagt Adane. Eine Erfahrung, die auch der Geburtshelfer Rufael Mekonen gemacht hat. „Wenn wir das Vertrauen der Frauen gewinnen, kommen die meisten auch wieder“, sagt er. Im Laufe ihrer Schwangerschaft besuchen die Frauen insgesamt drei Mal das Gesundheitszentrum von Dega Dibi. Sie werden untersucht und lernen, wie sie sich selbst und ihr ungeborenes Kind schützen können. „Wir erinnern die Frauen zum Beispiel daran, dass sie nicht kurz vor der Geburt zu Fuß zu uns kommen dürfen“, sagt Rufael. „Sie sollen eine Ambulanz rufen – und wenn keine verfügbar ist, müssen Familie und Nachbarn sie auf einer Trage zu uns bringen.“ Zudem erhalten die Schwangeren, wenn nötig, Tetanus-Impfungen. Die sind lebenswichtig, weil Mütter und Neugeborene sich bei der Geburt infizieren können.
Wubayehu Kassaw, 20